Physiologie

Subkutanes und viszerales Fett bergen sehr unterschiedliche Gesundheitsrisiken

Derselbe Körperfettanteil kann ein sehr unterschiedliches Gesundheitsrisiko bedeuten

Körperfett verteilt sich auf zwei grundlegend unterschiedliche Zonen, die sich metabolisch sehr unterschiedlich verhalten. Subkutanes Fett liegt direkt unter der Haut und macht bei den meisten Menschen den Großteil des Gesamtkörperfetts aus – es ist das Fett, das man zwischen den Fingern greifen kann. Viszerales Fett liegt tiefer, um die inneren Organe in der Bauchhöhle, und ist stoffwechselaktiver als subkutanes Fett – es funktioniert fast wie ein eigenes hormonproduzierendes Organ.

Warum die Lage mehr zählt als die Gesamtmenge

Viszerale Fettzellen setzen eine andere Mischung entzündungsfördernder Botenstoffe (Zytokine wie IL-6 und TNF-alpha) und freier Fettsäuren direkt in die Pfortader frei, die geradewegs zur Leber führt. Dieser direkte Weg ist ein Hauptgrund dafür, dass viszerales Fett enger mit Insulinresistenz, erhöhten Triglyceridwerten und einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes verknüpft ist als subkutanes Fett bei gleichem Gesamtkörperfettanteil. Subkutanes Fett ist zwar nicht stoffwechselinaktiv, speichert aber überwiegend Energie, ohne annähernd so viele Entzündungssignale direkt in den Leberkreislauf abzugeben.

Warum zwei Menschen bei „gleichem” Körperfettanteil ein sehr unterschiedliches Risiko haben können

Deshalb ist der Körperfettanteil allein ein unvollständiges Gesundheitsmaß: Zwei Menschen mit identischen 20 % Körperfett können ein deutlich unterschiedliches kardiometabolisches Risiko haben, je nachdem, wie sich dieses Fett auf die viszerale und subkutane Zone verteilt. Die Fettverteilung selbst wird von Genetik, Geschlechtshormonen (viszerales Fett nimmt zum Beispiel nach den Wechseljahren mit sinkendem Östrogenspiegel tendenziell zu) und Alter beeinflusst – nicht nur von Ernährung und Gesamtenergiebilanz.

Ein einfacher praktischer Anhaltspunkt

Da sich viszerales Fett nicht greifen oder zu Hause messen lässt, ist der Taillenumfang im Verhältnis zur Körpergröße ein sinnvoller, gut untersuchter Anhaltspunkt: Ein Taille-Größe-Verhältnis über etwa 0,5 (Taillenumfang mehr als die Hälfte der Körpergröße) ist mit deutlich höherem viszeralem Fett und metabolischem Risiko verbunden, selbst wenn Waage und Gesamtkörperfettanteil unauffällig aussehen. Das ist für diese spezielle Frage ein weit nützlicheres Warnsignal als das Gewicht allein.

Praktisch bedeutet das

Regelmäßige körperliche Aktivität, besonders Krafttraining in Kombination mit Ausdauertraining, ist überproportional wirksam beim Abbau von viszeralem Fett im Vergleich zu subkutanem Fett – viszerales Fett reagiert schnell auf konsequentes Training und lässt manchmal Taillenumfang und Gesundheitswerte spürbar sinken, noch bevor sich das Gesamtgewicht stark verändert. Wenn das eigentliche Ziel eine Senkung des Gesundheitsrisikos ist und nicht nur eine kleinere Zahl auf der Waage, ist die Kontrolle des Taillenumfangs neben dem Gewicht das aussagekräftigere Fortschrittssignal.