Physiologie

Unter Last die Luft anzuhalten ist keine gefährliche Angewohnheit – es ist bewährte Technik

Das Valsalva-Manöver klingt alarmierend, aber Kraftsportler nutzen es aus gutem Grund

Das Valsalva-Manöver – die Luft anhalten, während der Bauch gegen die verschlossenen Atemwege presst – beunruhigt Anfänger oft, weil es mit erhöhtem Blutdruck in Verbindung gebracht wird. Und das stimmt: Während des Manövers steigen sowohl der intraabdominale als auch der arterielle Druck kurzzeitig an. Doch dieser Anstieg des intraabdominalen Drucks erzeugt eine Art inneres »Luftpolster« um die Wirbelsäule, das ihre Stabilität und ihre Fähigkeit, schwere Last ohne übermäßige Beugung zu tragen, spürbar erhöht.

Forschung zur Wirbelsäulenbiomechanik unter Last zeigt, dass diese Technik bei schweren Kniebeugen, Kreuzheben und Überkopfdrücken die Druckbelastung auf die Bandscheiben reduziert – im Vergleich zu normaler Atmung während der Hebung. Eine Technik, die riskant klingt, schützt den Rücken also tatsächlich mehr, als sie ihn zu vermeiden würde.

Vorsicht ist geboten bei Menschen mit bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder unkontrolliertem Bluthochdruck – sie sollten vor der Anwendung bei schweren Sätzen Rücksprache mit einem Arzt halten. Für die meisten gesunden Trainierenden ist es ein Standardwerkzeug, kein gefährliches Verhalten, das man sich abgewöhnen sollte.